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Wunderliche Welten


Absoluter Nullpunkt


Elke_Balthaus-BeiderwellenSie ist wieder da, die gefühlte Temperatur! Zwar wundert sich jeder in Deutschland darüber, dass im letzten Monat des Hochwinters eben Winter herrscht, aber das stört die Witterung natürlich wenig. Der eiskalte Ostwind führt bei mir dazu, dass die gefühlte Temperatur für mich bei -273,15° Celsius liegt, was auch 0° Kelvin entspricht, also dem absoluten Nullpunkt. Dass meine Stimmung noch nicht dort angekommen ist, liegt am strahlend blauen Himmel und an der Sonne, die mir beim Hinaussehen suggerieren, es wäre bereits Frühling, die aber vom Außenthermometer Lügen gestraft werden. Wobei Außentemperaturfühler an und für sich ihren Sinn verloren haben, denn es geht, wie eingangs erwähnt, nicht mehr um objektiv gemessene, sondern um subjektiv gefühlte Temperaturen.
Während ich dieses schreibe, sehe ich wiederholt aus dem Fenster und sehe meinen bereits reichlich mit Knospen versehenen Kamelien beim Frieren zu. Jede Knospe eine kleine Kameliendame, wenn man so will, denn diese Dame wurde ja auch schwindsüchtig dahin gerafft, wenn man Alexandre Dumas Glauben schenken will. Lauter Greta Garbos, die vorwurfsvoll im Eiseswind hin und her schwanken. Ich hatte die Wolldecken schon in der Hand, brauche sie aber IM Haus selber, und, so weit geht meine Liebe zur Flora denn doch nicht.
Aber ich war ja noch bei den gefühlten Temperaturen. In jedem Nachrichtenmagazin überschlagen sich die Meteorologen mit rekordverdächtigen Minusgradschätzungen.
„Wenn es sich um ein Hochtal handelt, ein wenig Schnee liegt, jedoch mehr als zwei Zentimeter, der Wind schnurgerade aus Sibirien kommt, dann können gefühlte(!) -30°C entstehen“, vernahm ich heute Morgen von einem Angehörigen der Wetterzunft und habe mir daraufhin sofort eine zweite Strickjacke angezogen.
„Ich habe die Kälte aber schon vor 14 Tagen vorausgesagt, denn die Maulwurfshaufen in meinem Garten sind höher als gewöhnlich, sodass auch die Maulwürfe mit strengen Bodenfrost gerechnet und sich tiefer als gewöhnlich eingegraben haben“, hörte ich weiter. Wobei sich mir die Frage aufdrängte, warum überall im Land teure meteorologische Stationen betrieben werden, wenn wir einfach nur die Maulwürfe beobachten müssen.
Meine dummen Kamelien waren nicht so schlau, was natürlich daran liegen kann, dass wir keine Maulwürfe im Garten haben.
Jedem, der bei diesem Wetter draußen tätig ist, wird zurzeit ein Mikrofon vor die Nase gehalten, vor allem natürlich den Marktbetreibern. Ein herrlicher Beweis dafür, in was für einem weitgehend sorgenfreien Land wir eigentlich leben, wenn der einzige Aufreger ist, dass im Winter, Winter herrscht.
Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender widmen in ihren Nachrichten den gefühlten Temperaturen kostbare Sendezeit. Ich erfahre, dass den Zooelefanten Füße und Ohren mit Babyöl eingepinselt werden, damit diese nicht rissig werden und womöglich sogar abfrieren. Bei Eisbildung werden die Elefanten natürlich in ihren Häusern gehalten, da es sehr schwer ist, einen Elefanten aus einem unfreiwilligen Spagat wieder hoch zu hieven, das sehe ich natürlich ein, hätte aber trotzdem gerne etwas mehr über die Lage in der übrigen Welt erfahren.
Aber es kam noch schlimmer!
Die gefühlten Temperaturen sind für eine hochempfindliche Spezies noch viel niedriger als für  Mensch und Tier.
Autobatterien!

 

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